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Geldanlage - Börse - Aktien

Einführung

Die Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten verläuft seit einiger Zeit uneinheitlich. Einerseits haben sich die Börsen von der 2008er Finanzkrise deutlich erholt, andererseits belasten neue Krisen im Euroraum und in den USA das Klima.

Informieren Sie sich hier auf unserer Seite über die Entwicklungen und Zukunftschancen der internationalen Finanzmärkte, um Ihre persönliche Geldanlage-Strategie zu entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Die Entwicklung der Finanzkrise bis 2008

Der Absturz der Weltbörsen im Jahr 2008 war durch die Subprimekrise in den USA ausgelöst worden, bei der eine riesige Blase geplatzt war - hervorgerufen durch die Immobilienkreditvergabe an Eigenheimkäufer, die nach europäischen Maßstäben nicht kreditwürdig gewesen wären.

Begonnen hatte die Krise im Sommer 2007, die Vorgeschichte reicht jedoch etwas weiter zurück. Eine erste große Blase zum Ende des 20. Jahrhunderts hatte sich an den Börsen mit der Entwicklung der Internetwirtschaft gebildet, als Unternehmen, die auf dem neuen Hochtechnologiefeld tätig wurden, auch ohne unternehmerische Substanz an den Börsen aberwitzig hoch bewertet wurden.

Diese Entwicklung hat zwei Ursachen:

  1. Zum Einen verfügt die Risikokapitalbranche - vor allem in den USA - über eine bestimmte Tradition und Kultur, die von europäischen Banken und privaten Geldgebern bis heute nicht nachvollzogen werden kann. Man glaubt an neue Geschäftsideen und ist bereit, in diese zu investieren, auch wenn es sich tatsächlich nur im Ideen handelt, denen nachhaltiges Wirtschaften noch nicht nachgewiesen werden konnte. Auf diese Weise floss zunächst viel Geld in die jungen Unternehmen. 
     
  2. Zum Anderen folgte die Börse schon immer ihren eigenen Gesetzen. Nachdem die Internet-Startups an die Börse gegangen waren und die Kurse aus dem Stand kräftig stiegen, wollten die meisten Anleger den Boom nicht verpassen und stiegen rasch ein, was die Kurse in astronomische Höhen trieb. Es wurden Internetunternehmen zum Teil höher bewertet als etablierte Firmen der "Old Economy", ohne nennenswerte Umsätze oder gar Gewinne zu erzielen. Diese Blase musste zwangsläufig platzen. Als die ersten enttäuschenden Geschäftszahlen der neu an den Börsen platzierten Newcomer bekannt wurden, purzelten die Kurse und rissen das Gesamtsystem nach unten.

Die Börse funktioniert viel eher nach den Gesetzen der Massenpsychologie als nach rationalen Überlegungen. Wird erst einmal Liquidität dem Aktienmarkt massiv entzogen, sind häufig alle Assetklassen gleichermaßen betroffen, was eine verheerende Börsenkrise auslöst.

Auf diese Krise reagierte die Fed mit der Senkung der Leitzinsen und spülte damit neue Liquidität in die Märkte. Dieses Geld suchte nach neuen Anlagemöglichkeiten und fand den Immobilienmarkt, der zu dieser Zeit von stetig steigenden Preisen in den USA geprägt war.

Es gab bis Anfang der 2000er Jahre nichts Sichereres, als in den USA ein Eigenheim zu besitzen. Häufig nahmen die Besitzer weitere Hypotheken auf ihr Haus auf, um zusätzlichen Konsum zu finanzieren. Die Häuser wurden über ihren tatsächlichen Wert hinaus drastisch überbewertet, und was lag also von Seiten der Banken her näher, als jedem der es wünschte ein Eigenheim zu finanzieren.

Durch die Preissteigerungen schien die Bank auf jeden Fall auf der sicheren Seite zu sein. Es wurden sogenannte NINJA-Kredite vergeben für: No Income, No Job or Assets. Das erscheint aus europäischer Sicht absolut abenteuerlich, wurde jedoch so gehandhabt. Auch diese Krise platzte, nachdem die Zahlungsausfälle das kalkulierte Ausmaß überstiegen.

Zusätzlich hatte die Finanzbranche einige aus ihrer Sicht pfiffige Versicherungen für die Subprime-Kredite konstruiert ("CDS-Kreditausfallversicherung"), die als selbständige Wertpapiere an den Märkten gehandelt wurden. Aber wenn das zugrundeliegende Geschäftsmodell - die Vergabe von Immobilienkrediten - nicht mehr funktioniert, funktionieren auch die Kreditversicherungen nicht mehr.

Diese CDS, die ihrerseits hohe Kurssteigerungen zu verzeichnen hatten, verursachten eine zusätzliche Blase in der Blase. Sie waren allerdings in verschiedenen Risikoklassen zusammengefaßt und wieder tranchiert und dann um die Welt herum gehandelt worden - nach dem Prinzip: Den Letzten beißen die Hunde - so dass auch europäische Banken in den Strudel hineingezogen wurden. Als der Wert der Immobilien selbst nicht mehr weiter stieg, platzte die Blase.

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Die Entwicklung der Leitindizes seit 2008

Der Einbruch an den Finanzmärkten seit dem Sommer 2007 erfolgte rasch und drastisch. Die Anleger, durch die 2000er Krise und auch den brutalen Absturz am 11. September 2001 vorsichtig geworden, verkauften an manchen Tagen im Sekundentakt. Erfahrene Börsianer erinnerten sich beispielsweise daran, dass nach den Terroranschlägen des 11. September nichts mehr zu verkaufen gewesen war, und so handelten sie 2007-2008 rasch und entschlossen.

An manchen Tagen wie dem Montag, dem 21.01. zu Dienstag, dem 22.01.2008 fiel der Dax um 850 Punkte von 7250 auf 6400 Zähler, und dies wohlgemerkt ohne welt- oder wirtschaftspolitisch bedeutsame Ereignisse. Der VDax, also der Volatilitätsdax, der die Schwankung des Indexes beschreibt und als "Angstbarometer" bezeichnet wird, stieg gleichzeitig auf etwa 30 Zähler und später, auf dem Höhepunkt der Krise (und dem Tiefpunkt der Indizes) im Herbst 2008 gar auf über 60 Punkte. Normal sind - wie gegenwärtig - weniger als 20 Punkte.

Nach Monatsschwankungen von 1000 Punkten, die konservativen Anlegern und Fondsmanagern den Schweiß auf die Stirn trieben, erreichte der deutsche Leitindex - im Gleichtakt mit Dow, FTSE, CAC40, Ibex und den meisten führenden Indizes - seinen Tiefpunkt im März 2009 bei ~3600 Zählern und hatte damit seit seinem All-Time-High am 13.07.2007 (8151 Punkte) etwa 65% seines Wertes verloren. Dies meinen Wirtschaftswissenschaftler, wenn sie von der Vernichtung von Billionenvermögen sprechen. Ob man das so interpretieren soll ist eine andere Frage, denn die Unternehmen mit ihren Maschinen, Anlagen und ihrer Produktion existierten und schufen Werte wie eh und je.

Fest steht jedoch, dass seither niemand mehr im Ernst daran denkt, seine Altersvorsorge vorwiegend auf Aktienanlagen aufzubauen.

Entsprechend vorsichtig und von großer Skepsis begleitet lief die Erholung ab April 2009 an. Zwar stiegen die Kurse teils rasant und erreichten im Sommer 2009 schon wieder die 5000-Punkte-Marke im Dax, jedoch wurden die Warner nicht müde das Ende der Wirtschaftsgeschichte auszurufen. Man könnte sagen, der Markt hat seit den beiden kurz aufeinanderfolgenden Krisen der Jahre 2000 und 2008/2009 seine Unschuld verloren, und ob und wann er sie wiederfindet steht gelinde gesagt in den Sternen.

Jedoch spielt den Anlegern hier das allzu menschliche Verständnis von (wirtschaftlichem) Fortschritt einen Streich. Natürlich möchte man, dass alles immer vorangeht, natürlich möchte man im Alter von seinen Ersparnissen und Anlagen zehren können. Und es tut unglaublich weh, wenn ein heute 65jähriger, der als 30jähriger in Aktien von Daimler investiert hat, absehen kann, dass diese in seinem Leben möglicherweise nie wieder den Einstiegskurs erreichen.

Was wird er wohl seinem Enkel raten? Finger weg von Aktien? Könnte sein.

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Gesetzmäßigkeiten der Börse

Entgegen unserer menschlichen, natürlichen Biologie und ihrer Einbettung in die Zeitläufe folgt die Börse anderen Gesetzmäßigkeiten.

Der Mathematiker Benoit Mandelbrot, der sich über dreißig Jahre mit der Thematik beschäftigt hat, brachte es in seinem Buch "Fraktale und Finanzen" auf den Punkt: Die Zeit an der Börse ist gedehnt und gestaucht, es finden nach langen Stagnationsphasen Ereignisse in rascher Abfolge statt, die Ausschläge entziehen sich jeder "Glockenkurvenstatistik" (die Wahrscheinlichkeitsberechnung, die Carl Friedrich Gauß Anfang des 19.Jahrhunderts aufgestellt hat). Es ist also das Unwahrscheinliche eher zu erwarten als das nach menschlichem Verständnis Wahrscheinliche.

Am ehesten könnte man es mit dem Wetter vergleichen: Laut 100-oder 1000jährigem Kalender dürfte es das kaum geben, trotzdem folgt manchmal ein Hochwasser im 5-Jahres-Takt auf das nächste, wo es vorher Jahrzehnte solche Katastrophen nicht gab.

Was also kann mit den Börsen geschehen?

Genau dies fragen sich die Anleger seit etwa anderthalb Jahren. Und so ist die Entwicklung der Leitindizes von einem vorsichtigen Anstieg und langen Seitwärtsbewegungen geprägt, die Prognosen sind in wirtschaftlicher Hinsicht für Deutschland durchaus optimistisch, aber den Mut zu Aktienanlagen in großem Stil bringen Privatanleger nur punktuell auf.

Die Fondsmanager wiederum verlegten sich während der Finanzkrise und der darauffolgenden Monate auf Anlagemodelle, die von Seitwärtsbewegungen an den Märkten mittel Bonuszertifikaten partizipieren sollten oder hedgten sich gar mit Leerverkäufen in bestimmten Assets gegen zu befürchtende Verluste. Jedoch genau diese Fonds erreichten nur noch eine kümmerliche Performance, nachdem der Dax im Oktober 2010 aus einer halbjährigen Seitwärtsbewegung über die 6400 Punkte ausgebrochen war.

Der Dow-Jones-Index und der S&P sind schon weiter: Der Trend in Richtung der All-Time-Highs aus 2007 scheint stabil, dabei nicht überhitzend, Geithners Bankrottbeschwörungen zum Trotz. Wenn nicht - ja, wenn die beiden Krisen aus 2000 und 2007/2008 nicht gewesen wären, müsste man eigentlich spätestens jetzt in Aktien investieren.

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Die Wirtschaftslage und die Charttechnik

Die Wirtschaftslage ist uneinheitlich, die Charttechnik erscheint zur Zeit entgegengesetzt den ökonomischen Nachrichten. Aus Amerika hört man vom Finanzminister Geithner die Warnung vor dem Staatsbankrott, der Dow-Jones-Index und der S&P jedoch steigen, im Gleichklang mit dem Öl übrigens, was ein sich beschleunigendes Wachstum indiziert.

Deutschland kommt wieder einmal als ökonomischer Musterknabe daher, die Arbeitslosenzahlen sinken, die Exporte steigen (auch durch den schwächelnden Euro begünstigt), der Dax jedoch dümpelt seitwärts und lässt keine großen Fantasien nach oben zu.

Dies sind mehr oder weniger Momentaufnahmen der letzten Tage und Wochen, die vor allem einen Schluss zulassen: Die Lage ist zwiespältig. Glaubt man an die Antizipation der Wirtschaftsentwicklung durch die Börsen im Allgemeinen und an den Optimismus der Amerikaner im Besonderen, könnte es mittelfristig wieder aufwärts gehen.

Wenn es jedoch so wäre - diese Philosophie entspringt einem Denkmuster der etwa letzten fünfzig Jahre - muss man sich doch fragen, wie die USA ihr Staatsdefizit, ihre technologische Rückständigkeit in manchen industriellen Sektoren und gleichzeitig ihre enormen Belastungen durch ihr internationales Engagement in Krisenregionen gleichzeitig bewältigen wollen.

Und auch Europa ist durch die Krise der PIIGS angeschlagen. Der Staatsbankrott eines Eurolandes - es könnte Irland oder Griechenland treffen - und möglicherweise das Auseinanderbrechen der Eurozone, vor wenigen Jahren noch als Schwarzmalerei verschrien, erscheint heute nicht mehr ausgeschlossen. Natürlich wird man alles dagegen unternehmen, man wird Lasten schultern und Lösungen versuchen auszuverhandeln.

Es gibt jedoch Grenzen. Erinnert sich jemand an die Konvergenzkriterien des Maastricht-Vertrages?

Nun, hier sind die Konvergenzkriterien:
Die Defizitquote darf 3%, die Schuldenstandsquote 60% des BIP des jeweiligen Mitgliedslandes nicht überschreiten.

Und hier sind die aktuellen Zahlen:
Staatsdefizit Irland 32% (2010), Griechenland 13,6% (2009), Spanien 11,2% (2009).

Und hier die Verschuldung:
Griechenland und Italien je über 115%, Belgien knapp 100%, auch Deutschland und Frankreich liegen zwischen 70 bis 80%.

Zieht man ein globales Fazit, so könnte man vor allem eines sagen: 

Die westliche Welt lebt über ihre Verhältnisse, und das nicht erst seit gestern. Woher kommt dann der Optimismus an den Börsen?

Möglicherweise ist es der Mangel an alternativen Anlagemöglichkeiten. In den Sparstrumpf möchte noch immer niemand sein Geld stecken (auch wenn das in den letzten 10 Jahren mehr gebracht hätte). Und die Anlagementalität folgt einer gewachsenen Kultur.

Der Dissenz zwischen Fundamental-und Charttechnikern ist noch relativ jung, immer noch werden Unternehmen gemäß ihren Kennzahlen bewertet, zum Beispiel dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das für die DAX 30 momentan mit etwas über 11 attraktiv niedrig erscheint (realistisch wäre etwa 15), was für konservative Aktienfondsmanager nur den Schluss zuläßt, dass man kaufen kaufen kaufen sollte.

Und auch wenn die, die heute an den Hebeln der großen Finanzgesellschaften und Hedgefonds sitzen, schon aufgrund ihres Lebensalters die Entwicklung der letzten 10 Jahre in der ersten Reihe mitverfolgt haben: Der gesunde Menschenverstand scheint ihnen zu sagen, dass es im Aktienmarkt momentan nach oben gehen müsste.

Andererseits rät ihnen ein ebenso gesunder Instinkt zur Vorsicht. Die Nachrichten sind widersprüchlich, die Charttechnik ist es ebenfalls. Auch eingefleischte Charttechniker, die keinen Pfifferling auf ökonomische Kennzahlen geben (das ist alles im Chart eingepreist), wissen nicht mehr wohin, zumal bewährte Theorien wie die des guten alten Elliot kaum noch funktionieren.

Was bleibt, ist Unsicherheit allerorten. Die Märkte suchen ihre Richtung.

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Neue Technologien an den Börsen

Möglicherweise hat man aber übersehen, dass die gute, viele Jahrhunderte alte Börse selbst zum Spielball neuer Technologien geworden ist. Spekulationeen gab es immer, aber es gab sie nicht im Millisekundentakt.

Von der breiten Öffentlichkeit bislang noch relativ wenig bemerkt haben die allerneuesten Technologien natürlich auch im Bereich des Börsenhandels Einzug gehalten, und diese Technologien heißen Expert Advisers. Das sind Tradingmaschinen, die pro Sekunde 8000 (in Worten: Achttausend) Trades ausführen. Der Trader glaubt, mit seinem Onlinebroker über moderne Instrumente zu verfügen, indem er kurz mit der Maus über den Bildschirm fährt und die Kaufstopps für seine Knockouts und CFDs platziert, unterstützt von den bunten Indikatoren-Bildchen, die ihm seine Software liefert.

In den Tradingzentren der großen Hedgefond-und Brokergesellschaften jedoch sitzen Mathematiker über Algorithmen, die die Wahrscheinlichkeiten für die Trades nicht der nächsten Monate, nicht der nächsten Wochen und auch nicht des nächsten Tages, sondern der nächsten Minuten berechnen und automatisiert ein-und aussteigen, ohne dass noch ein Mensch in der Lage wäre das zu verfolgen.

Da geht es nur noch darum, welches Chartmuster bei welchem Einstieg mit welchem Kapital und welchem Stopp den größten Profit erzeugt; es werden Stopps im Bereich weniger Zehntel Prozente gesetzt, die Einsätze sind so hoch (und daher die Gebühren prozentual so niedrig), dass man eben in der Sekunde 8000 Mal hin und her handeln kann, wenn es sein muss.

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Finanzinstrument Derivate

Optionsscheine, die auf steigende oder fallende Kurse setzen, gibt es schon seit der Antike. Heute heißen sie CFDs und Knockouts, Warren Buffett nannte sie vor einigen Jahren schon Massenvernichtungswaffen, aber was er meinte war nicht die an sich vernünftige Absicherung gegen Kursschwankungen, sondern das Überrennen des Menschen durch seine eigene Technologie.

Die Maschinen sind dabei die Schlacht zu gewinnen, es hat nur noch keiner gemerkt.

Wo das hinführen könnte? Schwer zu sagen.

Vielleicht hat es uns schon in die 2008er Finanzkrise geführt. Denn eines steht sozusagen felsenfest: Börsencrashs werden heute auf jeden Fall dadurch ausgelöst, dass vorprogrammierte Stopps gerissen werden, und die Kurse fallen, die nächsten Stopps werden gerissen, und die Kurse fallen weiter.

Und da viele der Maschinen einer ähnlichen Philosophie folgen, die ähnlichen Chartmustern folgt (die inzwischen zu einer eigenen Kultur geworden sind), sind die Stopps vieler großer Gesellschaften mit jeweils viel, viel Geld alle an fast den gleichen Stellen platziert und fallen daher gleichzeitig. Die Börsianer sitzen nur noch vorm Bildschirm und reiben sich ungläubig die Augen, und die Aktien besitzende Hausfrau schaut abends die Nachrichten und beweint - viel zu spät - ihre Verluste.

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Zur Geschichte der Börse

In Europa weist man die Gründung einer Börse in Brügge (Belgien) im Jahr 1409 nach, im Allgemeinen spricht man daher von einer etwa 600jährigen europäischen Börsengeschichte. Damit ist jedoch der mehr oder weniger organisierte Handel nach definierten Spielregeln, die Funktion von Maklern, gegebenenfalls das Eingreifen des Staates (zum Beispiel durch verordnetes Aussetzen des Handels in Krisensituationen) gemeint.

Die Spekulation als solche gehört zum menschlichen Grundnaturell, und wie weiter vorn erwähnt kannte man schon in der Antike den Einsatz von Optionen zur Absicherung gegen Kursschwankungen. Spekuliert wurde, seit Menschen Handel trieben, umd warum auch nicht.

Warum sollte nicht schon der Steinzeitmensch die neu entwickelten Speerspitzen bis zur nächsten Jagdsaison zurückhalten, um den Tauschwert nach oben zu treiben?

Die holländische Tulpenspekulation von 1630 bis etwa 1650 ist fast schon sprichwörtlich und wird gern als erste Spekulationsblase der Neuzeit zitiert, aber das greift mit Sicherheit zu kurz. Der Goldpreis zum Beispiel (die ersten Goldfunde datieren aus 4500 v.Chr.) unterlag irren Schwankungen, seit der lydische König Krösus um 560 v.Chr. die ersten Münzen aus dem gelben Metall prägen ließ. Und schon immer fragten sich die Marktteilnehmer, was an den Preisschwankungen durch wirtschaftliche Gegebenheiten und was durch blanke Spekulation begründet war.

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Die Entkoppelung der Börse von der Realwirtschaft

Die Spekulation selbst hat einen absolut vernünftigen Hintergrund. Ein Jeder spekuliert: Wie werden bestimmte Preise in Zukunft ausfallen, welches Land könnte - aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen - das nächste attraktive Urlaubsziel werden, und welchen Beruf sollten die eigenen Kinder ergreifen, damit sie in zwanzig Jahren genug Geld verdienen?

Ein jeder Kleinunternehmer spekuliert sowieso. Wenn jemand einen Imbißstand betreibt, muss er jede Woche beim Großeinkauf spekulieren, wie vielen Kunden er nächste Woche Pommes verkaufen kann. Kurz und knapp: Spekulation gehört zum Leben.

Die Wirtschaftswissenschaftler bringen das natürlich auf ein anderes Level. Asymmetrische Information nennen sie das Phänomen, wenn jemand über künftige Entwicklungen mehr zu wissen glaubt als die übrigen Marktteilnehmer und dadurch den Spekulationsvorteil erlangt.

Was diese in der Studierstube erfundene Definition außer acht lässt, ist die Tatsache, dass sich Spekulanten jederzeit auf ganz dünnem Eis bewegen. Die Selbstmordrate unter Tradern ist außerordentlich hoch, die finanziellen Brüche in ihren Biographien sind es fast immer. André Kostolany war etliche Male pleite, und zwar richtig pleite. Dennoch ist Spekulation notwendig.

Ursprünglich dient die Aktienanlage der Finanzierung eines Unternehmens, und das tut sie nach wie vor. Über die ausgegebenen Aktien erlangt die Firma das Kapital, das sie zum weiteren Wachstum benötigt. Jedoch werden die Aktien sofort nach Emission zum Spekulationsobjekt, und das soll auch so sein. Denn dadurch verlagert das Unternehmen einen Großteil seines Risikos auf die Aktionäre und die Spekulanten unter ihnen.

Diese versuchen nun die Preise für ihre Anlage zu ermitteln, beeinflussen die Preise unmittelbar durch ihre Käufe und Verkäufe, und verursachen damit eine Ressourcenallokation, das heißt sie ordnen dem Gut - dem Unternehmensanteil per Aktie - einen Wert zu, der ihm, so die Theorie, tatsächlich innerhalb der Verteilung aller Güter zusteht.

Ob dies gerechtfertigt ist und wirklich funktioniert, ist die Gretchenfrage des Börsenhandels seit Unzeiten. Denn der Handel mit den Aktien selbst verselbständigt sich und entkoppelt sich vom tatsächlichen wirtschaftlichen Geschehen mehr oder weniger. Zwar versuchen alle Marktteilnehmer im nackten Eigeninteresse permanent, so viele Informationen wie möglich über den realen Wert ihrer Anlage zu erlangen, wenn jedoch die Kurse aufgrund der Eigendynamik des Börsenhandels steigen oder fallen, werden sie nichts weiter tun können als wiederum im nackten Eigeninteresse mitzuspielen.

Das ist das Phänomen, wenn Unternehmenszahlen herauskommen, prächtig ausfallen und hernach die Kurse dieses Unternehmens sinken, was bisweilen dadurch begründet wird, dass der Markt eben noch bessere Zahlen erwartet hätte. In Wahrheit ahnten aber vielleicht viele Spekulanten, dass es gute Zahlen geben könnte, hatten schon vorher gekauft und nehmen nun im richtigen Moment ihre Gewinne mit, was die Kurse purzeln lässt.

Natürlich versuchen auch Spekulanten mit Überlegungen zur Substanz und Wirtschaftslage eines Unternehmens die richtige Richtung zu prognostizieren. Großspekulanten wie Warren Buffett und George Soros wurden dadurch Milliardäre, dass sie Unternehmen gründlich analysierten und den dadurch ermittelten Wert mit dem zu diesem Zeitpunkt gehandelten Aktienwert verglichen.

Fiel letzterer zu niedrig aus, kauften sie. Sie überlegten - meist richtig - dass das Unternehmen offensichtlich unterbewertet war und der Markt dieses früher oder später merken würde, wodurch sie den Vorteil des billigeren Einkaufs erlangten.

Zu ihren Überlegungen gehörten noch weitere wesentliche Details: Warren Buffett hatte zum Beispiel stets den Grundsatz, keine Aktie zu kaufen, die er nicht mindestens zehn Jahre lang halten würde (unabhängig davon, wie schnell er später wieder verkaufte). Hinter diesem Konzept steckt Nachhaltigkeit und das Vertrauen in langfristige Entwicklungen.

Warren Buffett, George Soros (beide geboren 1930) und André Kostolany (1906 - 1999) wuchsen in einer Zeit auf, in der die erfolgreichsten Unternehmen oft die ältesten waren. Solche Unternehmen gibt es auch heute noch. Aber die Welt hat sich gewandelt, und für die Global Player der Finanzmärkte ist ein Unternehmen das Gleiche wie ein Rohstoff oder eine Währung - eine Summe, mit der sich handeln lässt. Und die Handelsinstrumente werden immer umfangreicher.

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Verselbständigung des Handels mit Derivaten

Etwa 334 Milliarden Euro (2009) werden jährlich mit Derivaten (Optionsscheinen, Knockouts und CFDs) an Deutschen Börsen umgesetzt. Diese Instrumente, schon in der Antike angewandt, dienten ursprünglich ausschließlich der Absicherung gegen Schwankungen eines zugrunde liegenden Wertes, des sogenannten Underlyings.

Und diese Funktion ist sehr sinnvoll. Man stelle sich vor, der Bauer möchte vor der Ernte eine neue Maschine anschaffen, er überlegt ob sich das lohnt und hätte gern für den Verkauf seiner Ernte schon Verträge mit den Abnehmern geschlossen. Jedoch wissen weder er noch die Abnehmer, wie das Wetter in den kommenden Monaten ausfallen wird, wie gut oder schlecht somit die Ernte, und wie teuer oder preiswert Korn auf den Märkten im kommenden Herbst zu haben sein wird.

Die beiden Handelspartner können sich dennoch auf einen Preis einigen. Stellt jedoch der Bauer im Herbst fest, dass die Kornpreise höher liegen als sein im Frühjahr ausgehandelter Preis, wird er sich über den entgangenen Gewinn ärgern. Dagegen kann er sich aber versichern. Für wenig Geld kauft er eine gehebelte Option auf einen steigenden Kornpreis, mit der er in diesem Fall verdient. Fällt der Preis hingegen, lässt er die Option für das wenige Geld verfallen, hat aber einen höheren als den im Herbst fälligen Marktpreis für das Korn ausgehandelt.

Dieses Beispiel lässt sich - hochaktuell - sehr gut auch auf Währungsschwankungen beziehen, gegen die sich international produzierende und vertreibende Unternehmen ständig versichern müssen.

Mit dem komplexer werdenden Welthandel im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts stieg der Bedarf an ausgeklügelten Optionen, und im Jahr 1973 entwickelten Black, Scoles und Merton ein Optionspreismodell, mit dem der faire Wert solcher Optionen in Bezug auf Hebel, Zeitwertverlust, Anpassung an Volatilitäten und andere Kennzahlen ermittelt werden sollte, und das bis heute größtenteils zur Berechnung von Optionsscheinpreisen herangezogen wird.

Merton und Scoles erhielten dafür im Jahr 1997 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, Black war bereits 1995 verstorben. Allerdings gingen Merton und Scoles auch 1998 mit dem LTCM-Fond pleite, was nicht der Ironie entbehrt.

Benoît Mandelbrot kritisiert in "Fraktale und Finanzen" heftig die mathematischen Grundlagen des Black-Scoles-Merton-Modells, das eben nicht zur wirklich fairen Preisbildung von Optionsscheinen beitrüge, und die Finanzwelt empfand über viele Jahre "gefühlt" das Gleiche: Beim Handel mit Optionsscheinen erlebte man größtenteils Enttäuschungen oder fühlte sich gar von den Emittenten der Papiere getäuscht.

Möglicherweise ist diese Beurteilung abseits der rein mathematischen Einschätzung von Mandelbrot nicht ganz fair. Denn das Modell wurde ursprünglich als Insolvenzprognoseverfahren entwickelt, und inwieweit es hier seinen Zweck erfüllt, steht auf einem anderen Papier.

Die Enttäuschung der Finanzwelt rührte möglicherweise auch aus einem ganz anderen Motiv: Mit dem umfassenden Handel von Optionsscheinen wurde Anlegern ein Instrument in die Hand gegeben, das die hochgehebelte Spekulation auf steigende und fallende Kurse mit sehr wenig Kapitaleinsatz ermöglichte und so einerseit mehr und mehr Kleinspekulanten in den Markt lockte, andererseits die Spekulation zunehmend von der zugrunde liegenden Idee - der Unternehmensfinanzierung mittels Aktien, die man lange hält, und an die (und das Unternehmen) man sich auch innerlich bindet - abkoppelte.

Schnelle Gewinne wurden möglich, hohe Kursschwankungen der Papiere bei auch moderaten Kursverläufen von Aktien versprachen bei günstigem Verlauf eine Vervielfachung des Kapitaleinsatzes in einem überschaubaren Zeitraum. Einzig störend war die schlechte Berechenbarkeit der Optionsscheine mit ihren vielen schwer durchschaubaren griechischen Kennzahlen.

Die Finanzwelt und ihre findigen Ingenieure wusste jedoch Abhilfe. Aus Deutschland kam in den 90er Jahren die Erfindung der Knockouts, eines Optionsscheines, der sich nahezu 1:1 gehebelt mit dem Underlying mitbewegt. Die beliebtesten Scheine waren und sind dabei diejenigen auf den Dax. Hier entspricht sehr oft die Bewegung des Indexes um einen Punkt genau einem Cent im Preis des K.O.-Scheines. Dies macht die Sache sehr gut überschaubar.

Natürlich müssen sich auch die Emittenten absichern, und so sind die Scheine mit einer K.O.-Schwelle versehen, an der sie wertlos verfallen. Der Spekulant muss also sehen, innerhalb welcher Grenzen sich das Underlying bewegen wird, wie er demnach den Preis seines Scheines wählt, und wo er seine Stopps setzt. Dies macht die Spekulation sehr schnell. Kaum jemand wird K.O.-Scheine über Wochen, Monate oder gar Jahre halten, obwohl dies theoretisch möglich ist, denn es gibt Open-end-Scheine. Aber wer weiß schon, was der Dax nächstes Jahr macht?

Dazu entwickelte sich seit Beginn der 2000er Jahre rasant der Online-Handel, und so sitzen heute tausende Trader mit kleinen Konten von wenigen hundert Euro daheim vor dem Bildschirm und spekulieren.

Neue Instrumente kommen hinzu, in jüngster Zeit (seit etwa 2004) sind es CFDs (Contracts for Difference), die noch besser zu handhaben und (fast) ohne Gebühren zu handeln sind - und so gibt es inzwischen im Forex-Bereich Broker, bei denen man mit 50 (in Worten: Fünfzig!) Dollar oder Euro ein Konto eröffnen und damit handeln kann, und das rund um die Uhr.

Natürlich wenden auch große, mit Milliarden kapitalisierte Hedgefonds diese Instrumente an, und sie nutzen die Power der Expert Advisers. Dies ist die eigentliche Revolution an den Finanzmärkten, und sie wurde bislang von Politikern oder der Öffentlichkeit noch längst nicht verstanden. Man glaubte 2009, eine neue Finanzkrise durch das Verbot von Leerverkäufen auf Aktien unterbinden zu können, und führende Finanzpolitiker der USA machten sich dafür stark.

Leerverkäufe. Auf Aktien. Die Hedgefondmanager werden flüchtig und müde gelächelt haben.

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Die Charttechnik, Adolf Merckle und Jerome Kerviel

Das ist ja prima, mag mancher Laie jetzt denken. Ich eröffne ein Online-Konto bei diesem Forex-Broker, von dem dieser Mensch hier schreibt. 50 EUR habe ich schon noch übrig. Wie heißt dieser Broker, und wie sind die Margen?

Ach, das wurde noch nicht erwähnt. Gewöhnliche Knockouts oder CFDs bewegen sich täglich irgendwo im Bereich von einhundert oder mehr Prozent. Es gibt also täglich mehrere tausend Gelegenheiten, über 100% zu verdienen.

Adolf Merckle

Adolf Merckle, geboren 1934 in Dresden, war ein solider Unternehmer, der die Betriebe seiner Familie mit Geschick, Fleiß und großem Engagement fortführte. Aus dem von seinem Vater 1967 geerbten Blaubeurener Arzneimittelbetrieb mit 80 Mitarbeitern und 4 Millionen Mark Jahresumsatz formte er ein Unternehmen der Weltliga. 2008 hatte die Merckle-Group etwa 100.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 30 Milliarden Euro.

Adolf Merckle ging in Optionsscheine. Sein Unternehmen war verschachtelt, es gab Außenstände und Verbindlichkeiten, so etwas kann immer mal kompliziert werden. Dann gab es 2008 und 2009 den Versuch, etwas mit Spekulationen zu verdienen, es wurden Optionsscheine eingesetzt, und Merckle verlor einen dreistelligen Millionenbetrag.

Danach war er überschuldet. In der dürren Erklärung nach seinem Selbstmord am 05. Januar 2009 heißt es, er fühlte Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit. Kurz danach wurde die Merckle-Gruppe in Verhandlungen mit den Banken gerettet.

Man sollte die knappen Worte seines Abschiedsbriefes sehr ernst und sehr wörtlich nehmen. Er fühlte Ohnmacht.

Jérôme Kerviel

Jérôme Kerviel, geboren 1977, war Trader bei der Societe Generale. Die Banken handeln natürlich selbst mit den von ihnen emittierten Knockouts und CFDs, und die bei ihnen beschäftigten Trader erhalten ein ziemlich gewöhnliches Gehalt, Boni auf ihre Gewinne, und ein Limit für das Kapital, das sie pro Trade, täglich, wöchentlich und so fort einsetzen dürfen.

Diese Limits bewegen sich im sechs- bis siebenstelligen Bereich, und dies ist vernünftig. Bei der Unberechenbarkeit der Materie wird so der mögliche Schaden begrenzt, denn die Trader der Banken bewegen mit einem Mausklick Millionen in Millisekunden. Kerviel umging durch eigene Programmierung die in seiner Software installierten Limits, verursachte einen Schaden von 50 Milliarden Euro und wurde dafür rechtskräftig verurteilt.

Was war geschehen?

Im Jahr 2007 spekulierte Kerviel mit Knockouts auf den Dax. Der Index stieg, er strebte seinem All-Time-High entgegen, und der begabte Kerviel erkannte dies und war mutig. Seit dem Jahr 2000 arbeitete er für die SocGen, seit 2005 im Arbitrage-Handel. Als Jerome Kerviel 28 Jahre alt war, hatte der Dax sich gerade von der 2000er Krise erholt, lief im Bereich von etwa 4500 Punkten seitwärts, stieg dann weiter und stieg und stieg, aber es gab immer wieder Rückschläge, die sehr schwer zu prognostizieren waren.

Die Grundrichtung jedoch war klar ausgemacht, und die klassische Charttechnik besagte, dass der Index, wenn er erstmal das All-Time-High geknackt hätte, nicht mehr zu halten sein würde. 10.000 Dax-Punkte wurden im Frühjahr 2007 laufend diskutiert. Und es gab die hübschen deutschen Knockouts, die man so teuer wählen konnte, dass sie auch einen Rückschlag von - naja? 500 Punkten? Oder 1000? - aushalten würden.

Welche Scheine er genau gewählt hat, berichtet Kerviel in seinem Buch leider nicht. Kerviel dachte sich folgerichtig: Wenn ich die verdammten Stopps weglasse, die mich immer wieder ausbremsen, und stattdessen bei Rückschlägen nachkaufe, dann mache ich die ganz große Nummer. Er dachte auch an seine Boni, noch mehr jedoch dachte er an Ruhm und Prestige, wie es einem im Jahr 2007 neunundzwanzigjährigen Mann zusteht. Deshalb gibt es diese Limits in der Software. Nichts gegen den Geltungsdrang junger Leute. Aber Vorsicht ist noch immer die Mutter der Porzellankiste.

Er ließ die Stopps weg, und im Spätsommer 2007 begann der Dax zunächst allmählich, dann immer rasanter einzubrechen. Nun brachte sich Jerome Kerviel nicht um, wie es Adolf Merckle tat. Es war ja auch nicht sein Geld, das da im elektronischen Nirwana verschwand. Aber irgendwie kopflos wurde er schon, bis ihm mal jemand über die Schulter schaute und den Rechner abschaltete. Da waren die 50 Milliarden schon weg.

Joe Ross

Erfahrene Trader, die mehr als fünfzig Jahre Berufserfahrung haben, verdienen heutzutage ihr Geld am liebsten mit Seminaren und Literatur.

Einer von ihnen heißt Joe Ross. Er ist weit über siebzig Jahre alt und tradet seit seinem 23. Lebensjahr.

Was tut er heute? Er verkauft seine Bücher (eines kostet nahe 200,- EUR), reist um die Welt und schult den Nachwuchs. Er gibt auch kostenlose Newsletter heraus, aber warum in der Welt tut er das, wenn man doch mit diesem Geschäft so fantastisches Geld verdienen kann?

Dieses Geschäft hat sich mehr gewandelt als die gesamte übrige Weltwirtschaft. Wenn man es überhaupt mit irgendetwas vergleichen kann, dann mit dem Vormarsch der Elektronik und des Internets. Joe Ross stammt aus einer Traderfamilie, die schon Ende des 19. Jahrhunderts Börsenplätze an der Chicagoer Börse besaß, er verfügte schon über die gesamte Kultur der Charttechnik, als sich europäische Finanzmanager überhaupt noch nicht darum kümmerten, er ist eine Legende.

Dennoch scheint es, als sei auch diese Kultur, die ihre Ursprünge wohl in Japan im 17. Jahrhundert hat, an ihre Grenze gelangt.

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Ausblick

Der Börsenhandel findet mehr und mehr um seiner selbst willen statt. Deshalb wird die klassische Unternehmensfinanzierung über Aktien nicht verschwinden, aber ihre Bedeutung im Kontext weltweiter Finanzströme wird sich wandeln.

Das Einzige, was die Expert Advisors noch daran hindert, tatsächlich täglich 100% zu verdienen, sind die unzureichenden Philosophien, mit denen an die Algorithmen zur Programmierung herangegangen wird. Denn diese beziehen ihre mathematischen Grundlagen nach wie vor aus der klassischen Charttechnik und aus den Daten der Vergangenheit, das verkünden stolz die Manager des E-Tradings.

Und genau das ist falsch. Wenn etwas sicher ist, dann die Tatsache, dass nichts sicher ist.

Die weltweiten Handelsströme und die Weltproduktion sind verflochten wie noch nie, die Finanzen sind unkontrollierbar geworden. Sie können heute abend ein Onlinekonto auf den Bahamas eröffnen, googlen Sie das ruhig mal. Dort können Sie in Ruhe traden. Bei der Charttechnik allerdings kann Ihnen niemand helfen.

Die klassische Handels- und damit auch Charttechnik übersetzt das, was Menschen seit Jahrhunderten getan haben: Unternehmen eröffnet, sie finanziert, Handel getrieben, nach Preisen gesucht, in diesem Rahmen maßvoll spekuliert. Blasen gab es immer, die folgenden Crashs ebenfalls, jedoch können sie heute über uns hereinkommen wie ein Tornado an einem lauen Frühlingstag, mit dem man wirklich nicht rechnen konnte.

Das Trading wird von Maschinen übernommen werden, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass sich Menschen die finanzielle Macht gänzlich aus den Händen nehmen lassen. Die wäre das Gleiche, als wären wir schon eine Weile mit vollautomatisierten Autos auf den Straßen unterwegs, ohne das Lenkrad noch anzufassen, jedoch irgendwann häufen sich die Unfälle mit immer mehr Toten - was würden wir wohl tun? Wahrscheinlich die Regeln ändern.

Es ist daher eher wahrscheinlich, dass die Volatilitäten an den Märkten sinken statt steigen. Die Vorsicht, mit der das Jahr 2011 begann, scheint dafür symptomatisch. Die Menschen handeln behutsam, die Expert Advisors können auch bei sehr kleinen Bewegungen mit dem ihnen anvertrauten Geld herumspielen, ohne sensationelle Gewinne, aber zur Zeit wahrscheinlich auch ohne sensationellen Schaden.

Nur eines wird es (hoffentlich) wohl nie wieder geben: Heute eine Aktie zu kaufen im festen Vertrauen, damit die eigene Rente finanzieren zu können. Da können Sie auch Lotto spielen.

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